NAZI-Phantasmen in der Sonntagszeitung

Anna Prizkau, einer jungen Redakteurin der FAS, hatte man ausgerechnet im Wonnemonat Mai Böses zugemutet: Musste sie sich doch volle drei Tage die Bundestagsreden der AfD zu Gemüte führen.  Heraus kam bei ihr ein quälendes Konvolut, von dem ich hier (Urheberrechte!) leider nur einzelne Fragmente wiedergeben darf:

Seit einem halben Jahr redet die AfD im Bundestag mit. …Protokoll einer verwirrenden und oft qualvollen Lektüre

…Meistens erklären harte, echte Nazis Menschen, die ausländisch und anders sind, dass sie es sind, mit Fäusten. … Was sprechen sie im Parlament? Jeden Tag stehen AfD-Redebruchstücke in Zeitungen, im Internet, in Magazinen. … Denn klar ist, dass die hochschulgebildeten und echten AfDler einem nie etwas auf die Art erklären würden wie harte, echte Nazis. … Auf AfD-Kundgebungen laufen Thor-Steinar-T-Shirts rum, es werden NPD-Parolen aufgesagt ..  Außerdem reden AfDler nie, weil sie etwas erzählen wollen, sondern weil sie auch immer recht haben wollen – öffentlich. .. – zum Beispiel Gottfried Curio. … Er spielt einen Pegida-Remix. .. Franziska Gminder. „deutsches Fleisch, deutsche Milch und deutsches Gemüse“

Beatrix von Storch ..: Das Thema jetzt also ist Antisemitismus… Zum Glück kommt bald schon wieder Curio….… . Während man so Phantomakne bekommt, bekommt man auch noch Angst. Vor Deutschland, genauer: vor AfD-Deutschland. … Gottfried-ich-mache-Punchlines-Curio zum Beispiel ist kein besonders großer Ideologe, ist ein besonders großer Hasser. Seine gefühlstrunkene Abneigung ist aber nur das böseste Ressentiment. Ja, dieser Hass auf Fremde macht keine saubere, stabile und ernste Ideologie…

Jetzt kann man lächelnd sagen, dass sie Wirrköpfe sind, rhetorische Versager, die einfach provozieren wollen und nicht einmal eine stabile, echte, rechte Ideologie anbieten, nur krasses Durcheinander. … Den haben tote, alte Nazis auch so ähnlich mal gemacht…… trotzdem nicht vergleichbar mit alten, toten Nazis…Das, was sie da erzählen, erzählen sie nicht nur, um zu betrügen und zu provozieren, sondern weil sie anscheinend selbst verwirrt sind…. Und wer ist schuld an diesem Chaosgedanken? Ja, die drei nervenfressenden, verwirrenden und harten Lesetage und die verdrehten und verklebten Reden der AfD.

Mein Gott, frage ich mich, was hat diese Frau wohl genommen? Derartige Prosa kennt man sonst nur von Literaten, die im Drogenrausch ihre Phobien zu Papier bringen. Und auf einer einzigen Zeitungsseite zehnmal der Begriff Nazi? Und so fühle ich mich bemüßigt, der Dame zu schreiben:

Sehr geehrte Frau Prizkau,

 leider komme ich nicht immer dazu, die FAS zeitnah zu lesen. Und so fiel mir erst heute Ihr Artikel über die AfD im Bundestag ins Auge. Es hat mich amüsiert, denn irgendwie hat mich das an die Marsmissionen der vergangen Jahrzehnte erinnert. Gibt es Leben auf dem Mars oder wenigstens Spuren davon? Und so umkreist man den Roten Planeten, landet mal hier, mal da, immer auf Suche. Die Hoffnung stirbt zuletzt.  Immerhin hat man schon ein paar organische Moleküle gefunden.

 Und so geht es den Journalisten mit der AfD. Irgendwo muß doch der Nazi zu finden sein. Und so wird das Untersuchungsobjekt ständig umkreist; man landet mal hier, mal da, macht Untersuchungen, aber eine richtige Punktlandung will nicht gelingen.  Und so schießen die Spekulationen ins Kraut.

 Immerhin müssen selbst befangene Beobachter konstatieren, daß es sich bei den AfD-Abgeordneten durchweg um gebildete Leute handelt, die sich eloquent und verständlich auszudrücken wissen. Und denen es auch sichtlich Vergnügen bereitet, mit ein paar Reizworten die rot-grüne Riege in Schnappatmung zu versetzten.

 Der AfD-Anhänger, das unbekannte Wesen? Schon Justus Bender hat sich vergeblich daran versucht. Dabei hatte ich mich bereits  vor Jahren als Untersuchungsobjekt angeboten. AfD-Mitglied seit 2013, Sprecher eines Stadtverbandes, Bundestagsdirektkandidat, FAZ-Abonnent seit über vierzig Jahren. Angeblich steckt dahinter ja immer ein kluger Kopf, so zumindest der traditionelle Werbespruch Ihres Hauses. Aber vielleicht passe ich einfach nicht ins sorgsam gehegte Klischee.

 Herzliche Grüße  

 Bernd Ulrich

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 13. Mai 2018

Wie mir mein Mail-Programm bestätigte, hatte die Redakteurin meinen Brief gelesen.  Ich hatte keine Antwort erwartet und auch keine bekommen.



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