Griechische Tragikomödien

Nikos Kotzias (so heißt der wirklich!), der griechische Ex-Außenminister, hat vor einigen Tagen die Brocken hingeschmissen. Eine Gelegenheit, dieser bemerkenswerten Persönlichkeit eine Würdigung zukommen zu lassen. Denn über Chemnitz und Freiburg vergessen wir leicht, daß auch auf anderen Politikfeldern in Deutschland und Europa Dinge passieren, die einfach nur zum Heulen sind. So etwa die Forderung unserer Griechen, die schon wieder frisches Geld haben wollten:

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/griechischer-aussenminister-kotzias-will-mehr-europaeisches-geld-15686274.html

Das veranlasste mich zu einem Leserbrief an die FAZ, der tatsächlich ungekürzt abgedruckt wurde:

Nicht genug Unterstützung von Europa? FAZ vom 12.7.2018

 Die Klage des griechischen Außenministers Nikos Kotzias: „Wir bekommen nicht genug Unterstützung von Europa“ (FAZ vom 12.7.2018) ist schon erstaunlich. Denn seit der Aufnahme Griechenlands in die EU 1980 erhielten die Griechen über 100 Mrd. Euro direkte Subventionen. Weiterhin erhielt dieses Land, welches weniger Einwohner hat als das Bundesland NRW, etwa 400 Mrd. Kredite, von denen ein beträchtlicher Teil erlassen oder auf den Sankt-Nimmerleins-Zahltag gestundet wurden. Das alles ist sattsam bekannt.

 Was im genannten Artikel überrascht, ist ein unerwartetes Dementi des Außenministers. Keineswegs habe er den Europäern im Sommer 2015 mit einer neuen Flüchtlingswelle gedroht, sofern Zahlungen an Griechenland ausblieben. Das hat der aufmerksame Leser indessen noch ganz anders in Erinnerung: Tatsächlich war es der damalige Verteidigungsminister Griechenlands, Herr  Panos Kammenos, der im März 2015 wie folgt zitiert wurde: „Wird Athen nicht geholfen, werden Migranten mit Reisepapieren nach Berlin gehen. Wenn IS-Mitglieder dabei sein sollten, sei Europa selbst schuld.“,  so die FAZ vom 10.3.2015. Und weiter heißt es in damaligen Text aus der Feder von Holger Steltzner: „Außenminister Kotzias legte nach: Griechenland könne zum Einfallstor für Millionen Immigranten und Tausende Dschihadisten werden, sollte das Land wirtschaftlich zusammenbrechen.“

 Die Fortsetzung der Geschichte ist uns allen sattsam bekannt. Griechenland bekam die gewünschten Milliarden. Trotzdem wurden im Laufe des Jahres 2015 sämtliche Schleusen für die Schleuser geöffnet.

 Nikos Kotzias ist den FAZ-Lesern noch mit einer anderen Anekdote in guter Erinnerung:  Im Mai 2015 gab er den Deutschen die Schuld an über siebentausend Selbstmorden in Griechenland seit Ausbruch der griechischen Staatsschuldenkrise im Jahr 2010. Die von der Troika aufgezwungene Sparpolitik habe sie um ihre Lebensperspektive gebracht und in den Tod getrieben. Was der immer noch amtierende Außenminister Griechenlands schon damals nicht zur Kenntnis nehmen wollte: In Deutschland nehmen sich alljährlich über elftausend Menschen das Leben. Ob das an dem in Vergleich zu Griechenland hierzulande niedrigen Renten liegt oder dem Umstand geschuldet ist, daß deutsche Rentner im Vergleich zu ihren südländischen Altersgenossen in deutlich höherem Umfang durch Mietzahlungen belastet sind? Über 80% der Einwohner Griechenlands leben in eigenen vier Wänden.

 Mit freundlichen Grüßen

 

Hier das Kapitel griechischer Geschichte, das von den tragischen Selbsttötungen handelt:

https://briefe-von-bernd.blog/2015/06/01/siebentausend-selbstmorde-in-griechenland/

 

 

 

 



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