Offener Brief an die Ratinger Jonges
Veröffentlicht: 14. März 2026 | Autor: hansberndulrich | Abgelegt unter: Besinnliches, Tagebuch, Vermischtes | Tags: AfD, Cancel Culture, Ratinger Jonges |Hinterlasse einen KommentarSehr geehrte Herren der Ratinger Jonges,
ich wähle diese Anrede mit Bedacht, denn meine Mitgliedschaft wurde durch Ihr Schreiben vom 26.2. mit sofortiger Wirkung gekündigt. Ich bin somit kein „Lewe Jong“ mehr.
Ich bedaure das zutiefst, denn ich habe mich trotz der kurzen Zeitspanne bei den Ratinger Jonges wohlgefühlt. Die lokale Verwurzelung und Verbundenheit, die Pflege des Brauchtums, der Sprache, der Kulturgüter, der Respekt und Erhaltung des uns hinterlassenen Erbes, das unsere Vorfahren als ihre jeweilige Lebensleistung hinterlassen haben, ist etwas, was einem wertkonservativen Menschen wie mir am Herzen liegt.
Sie begründen die Kündigung, die ich nach einer kurzen Abwesenheit am vergangenen Donnerstag im Briefkasten vorfand, damit, dass das mein Verbleib bei den Ratinger Jonges „dem Verein einen nicht unerheblichen Schaden bereiten würde und das Ansehen des Vereins durch meine weitere Mitgliedschaft dauerhaft beschädigt“ würde. Weitere inhaltliche Begründungen sind in dem Schreiben nicht angeführt. Mir wurde auch kein Recht auf Gehör eingeräumt; das ist in der Satzung des Vereins nach auch nicht vorgesehen.
Wie mir von einen Düsseldorfer RP-Redakteur mitgeteilt wurde, der mich telefonisch am Vormittag des 26. Februar kontaktierte, hatte ein langjähriges Mitglied tags zuvor in den sozialen Netzen seinen Austritt bei den Ratinger Jonges mit der Aufnahme eines „führenden AfD-Funktionärs“ begründet.
Die hiesige Lokalpresse der Rheinische Post hatte diesen Vorgang zu dem Zeitpunkt bereits begierig aufgegriffen. Dort war bereits am selben Tag zu lesen, dass „meine Äußerungen nicht mit den Grundwerten des Vereins vereinbar“ seien. Auch der WDR hat diese Formulierung aufgegriffen und verbreitet. Ich habe bislang keine Kenntnis, welche meiner Äußerungen damit gemeint sind und betrachte diese Behauptung als ehrabschneidend. Ich bitte inständig darum, mir mitzuteilen, auf welche meiner Verlautbarungen diese Anschuldigung zutreffen soll. Solange dieser Vorwurf unspezifiziert im Raum steht bleibt mir eine Rufschädigung.
Anmerkung: In Rahmen der nachfolgenden Pressekampagne, die sich nicht nur gegen mich persönlich, sondern gegen den Verein insgesamt richtet (Ein Fehler, der nicht zu reparieren ist, RP vom 27.2.) hat der für Ratingen zuständige Lokalredakteur der Rheinischen Post meine zwei Jahre zurückliegende Äußerung erneut hervorgekramt und skandalisiert. Zum Hintergrund, der den meisten RP-Konsumenten verborgen blieb: Am 6. Februar 2024 hatte die Ratinger Ratsversammlung mich und meine Parteifreunde in einer Resolution als „Rassisten sowie Verächter der Grundrechte und der Freiheit“ gebrandmarkt. In der gleichen Entschließung wurde die zu dem Zeitpunkt längst widerlegte Erzählung von „der Planung millionenfacher rassistischer Deportationen“ wider besseres Wissen erneut aufgewärmt. Ich konnte und wollte nicht glauben, dass sich die übrigen Ratsherren in ihrer Gesamtheit diese Ungeheuerlichkeit zu eigen machen würden und beantragte deswegen namentliche Abstimmung. Aber die Vertreter der übrigen Fraktionen unterwarfen sich dem Fraktionszwang und so erfolgte diese unsägliche Resolution nahezu einstimmig. Noch unter dem Schock dieser Demütigung und der persönlichen Enttäuschung durch mir persönlich bekannte und teilweise vertraute Ratskollegen hatte ich geschrieben:
„Es tut mir leid, das zu konstatieren: Es ist genau der gleiche Ungeist eines bequemen Mitläufertums, der schon am 1. April 1933 den Boykottaufrufen der Nazis willig folgte und später am 9. November 1938 beim Pogrom Beifall klatschte. Ich hätte das hier in unserem Ratingen niemals für möglich gehalten. Ich und meine Fraktionskollegen mussten sich aber eines Besseren belehren lassen. Schande!“
Die RP hat damals wie heute ihren Lesern den vollständigen Text der Ratsvorlage A30/2024 mit dem diskriminierenden Vorspann vorenthalten. Stattdessen wurde die Strafanzeige von Rainer Vogt/Hekermann (Die PARTEI) gegen meine Person großformatig in den Print- und Onlinemedien der RP verbreitet und somit der Eindruck erweckt, ich hätte mich gegen eine allgemeine Menschenrechtserklärung positioniert. Allerdings holten sich die Anzeigeerstatter der Bürgerunion/DIE PARTEI eine gehörige und gut begründete Abfuhr bei der Staatsanwaltschaft. Hierüber hat die RP indessen nicht berichtet; meine Online-Kommentare im Leserbriefbereich zu dem Thema wurden gelöscht. (Ende der Anmerkung)
Im Gegensatz zu meinen Fürsprechern bei den Ratinger Jonges kennen mich weder Dr. Bastian Fleermann, der den Stein ins Rollen brachte, noch Herr Rolshoven, der in die gleiche Kerbe geschlagen hat, persönlich. In einer vor Jahren geführten schriftlichen Korrespondenz hatte sich Dr. Fleermann weitere Kontakte ausdrücklich verbeten; Herr Rolshoven ließ meine Schreiben unbeantwortet. Die von den politischen Gegnern gewünschte vollständige Ausgrenzung meiner Partei hat übrigens auch in Ratingen ihre Lücken. So bekomme ich regelmäßig Einladungen zur Wehrversammlung; zu den Auftritten der Musikschule, zum Empfang beim THW und manchen anderen Veranstaltungen. Bei der Verlesung der Liste der Ehrengäste wird auch mein Name gewöhnlich vor dem Publikum genannt. Besonders freute mich der persönliche Beifall bei der Feuerwehrversammlung vor einigen Tagen. Die
Blaulichtfamilie weiß, wer auf ihrer Seite steht. Ich bedaure zutiefst, dass in diesem Land 75 Jahre nach Ende des NS-Unrechtsregimes erneut Menschen aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit oder politischen Anschauen die Mitgliedschaft in deutschen Vereinen verwehrt wird. Es mutet geradezu grotesk an, wenn der konkrete Anstoß dazu von dem Vorsitzenden einer Mahn- und Gedenkstätte kommt, deren Zweck ja gerade die Erinnerung und fortwährende Mahnung an die Menschheitsverbrechen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ist. Ich bedanke mich bei denen, die sich ungeachtet der gegenwärtigen Kampagne für die überparteiliche Neutralität der Ratinger Jonges und für meine Mitgliedschaft eingesetzt haben.
Dem Verein und seinen Mitgliedern wünsche ich für die Zukunft Alles Gute und ein ruhiges Fahrwasser!
Herzliche Grüße Bernd Ulrich
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