Ich spende für Seenotretter

Ja, ich spende für Seenotretter. Und das seit vielen Jahren regelmäßig. Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) unterhält Seenotkreuzer und Rettungsstationen in Nord- und Ostsee. Eine gute Sache, für die ich gerne Geld gebe. Und die Seenotretter bedanken sich bei mir mit Infomaterial über ihre Arbeit, artigem Dankschreiben und gelegentlich ein paar Werbeaufklebern. Wohlgemerkt: Es handelt sich bei der DGzRS nicht um eine Schlepperorganisation zur Einschleusung von illegalen Migranten in die EU.

Natürlich spende ich auch gerne für die anderen, die Menschen vor dem Ertrinken retten. Namentlich die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft DLRG. Da gebe ich meinen Obolus ebenso gern wie für die DGzRS. Auch die DLRG hält sich fern vom Schleusergeschäft und das ist gut so.

DGzRS und DLRG versehen ihre lobenswerte Aufgabe an unseren Küsten und Binnengewässern. Aber es gab auch andere Seenotretter, die sich um die Rettung von „Boat-People“ in fremden Gewässern verdient gemacht haben: Das Komitee Cap Anamur, benannt nach den Namen des legendären Schiffes, das damals vor den Küsten Vietnams über 20.000 Menschen vor dem nassen Tod gerettet hat. Initiator war der unvergessene Rupert Neudeck. Erinnern wir uns: Nach Ende des Vietnamkrieges gab es in diesem asiatischen Land blutige Pogrome gegen die chinesische Minderheit, Angehörige des Han-Volkes. Die wurden buchstäblich vom Mob totgeprügelt, sofern sie sich nicht auf ein paar klapprige Fischerboote retten konnten um die chinesische Küste zu erreichen. Die wenigsten erreichten damals das sichere chinesische Festland, viele ertranken. Wohlgemerkt: Es waren keine Wirtschaftflüchtlinge auf der Suche nach einem besseren Leben oder gar einem komfortablen Wohlfahrtsstaat. Die Bedauernswerten versuchten nichts weiter zu retten als ihr nacktes Leben. Cap Anamur fischte damals über zwanzigtausend Menschen aus dem Wasser. Wirkliche Flüchtlinge, keine Migranten.

Cap Anamur arbeitet heute für zahlreiche Hilfsprojekte in der Dritten Welt. Ich freue mich, daß dort mit meinen Spendengeldern keine Schleuseraktivitäten finanziert werden. Hier eine Übersicht: https://www.cap-anamur.org/projekte-weltweit/

Aber ich will einen Problemfall gar nicht verschweigen: Ja, habe gespendet und tue das immer noch für „Ärzte ohne Grenzen“. Eine an sich lobenswerte Organisation, die viele Projekte zur Krankenbehandlung und Gesundheitsfürsorge unterhält. Aber, es sei geklagt, die auch eine Zeitlang im Schleppergeschäft, getarnt unter dem Falschetikett „Seenotrettung“ tätig war. Das veranlasste mich vor einem Jahr zu einem Brief, den ich unter Nennung meiner Spendernummer abgesandt habe:

Sehr geehrter Herr Westphal, liebe Freunde,

seit vielen Jahren unterstütze ich Ärzte ohne Grenzen, „Medecins sans Frontiers“ durch regelmäßige Spenden. Besonders hat mich gefreut, daß ich vor einigen Jahren ein Dankschreiben erhielt: „Sie sind seit 15 Jahren an unserer Seite“.

Meine Hilfe für Sie und andere humanitäre Missionen ist im Rahmen meiner finanziellen Möglichkeiten. Darüber hinaus fördere ich auch ideell durch Mundpropaganda und Weitergabe Ihrer Informationen.

Dennoch komme ich nicht umhin, das Verhalten von „Ärzte ohne Grenzen“ im Mittelmeer zu kritisieren. Zwar steht es außer Frage, Schiffbrüchige vor dem Ertrinkungstod zu retten. Es ist auch selbstverständlich, die aufgenommenen Kranken und Verletzten so zu versorgen, daß sie wieder gesunden.

Womit ich nicht einverstanden bin ist die Verbringung der Aufgenommenen in Europäische Häfen. Denn genau damit besorgen Sie das Geschäft der Schlepper. Nicht nur das: Auch weitere Migranten werden ermuntert, sich in Gefahr zu begeben. Dabei entzieht die Entlohnung krimineller Schlepper gerade den armen Gegenden in Afrika Milliarden an Kaufkraft, die dringend in den Ländern selbst benötigt werden. Nicht zuletzt entwertet es die Hilfe humanitärer Organisationen vor Ort, die sich um die Früchte ihrer Mühen betrogen sehen. Eine weitere, wesentlich kleinere von mir unterstützte Vereinigung, nämlich die „Aktion pro Humanität“ , die vorwiegend in Benin tätig ist, hat mir letztens bestätigt, daß keiner ihrer über achtzig einheimischen Helfer an Auswanderung denkt. Ein schöner Erfolg.

Ich denke, daß beschränkte finanzielle Mittel dort eingesetzt werden sollten, wo die bestmögliche Wirkung erreicht wird. Laut Aussage des österreichischen Regierungschefs können für die Kosten eines einzelnen Migranten in Europa über dreißig in ihren afrikanischen Heimatländern verbliebene sowohl mit Nahrung, Kleidung und ärztlicher Leistung versorgt werden. Die von Ihnen veröffentlichen Zahlen, was mit einem vergleichsweise bescheidenen Betrag alles an Hilfe vor Ort bewirkt werden kann, stützt diese Sichtweise.

Ich will hier nicht alle Argumente für oder gegen ungesteuerte Immigration nach Europa aufzählen. Diese sind auch Ihnen hinlänglich bekannt. Die Parteinahme und Förderung des Schlepperunwesens ist eine politische, keine humanitäre Aktion. Ich wünsche mir, daß „Ärzte ohne Grenzen“ sich wieder auf sinnvolle, politisch neutrale Hilfsmissionen konzentriert. Die Rettung vor dem Ertrinkungstod ist selbstverständlich; ebenso die Versorgung von Kranken und Verwundeten. Die Förderung der Immigration nach Europa ist hingegen kein selbstverständlicher Akt der Humanität.

Mit freundlichen Grüßen Bernd Ulrich

„Ärzte ohne Grenzen“ hat mir ausführlich geantwortet. Die wichtigste Botschaft: Nur 1,2% der Gesamtausgaben entfallen für das fragwürdige Projekt der angeblichen Seenotrettung. Inzwischen hat „Ärzte ohne Grenzen“ den Schiffsbetrieb eingestellt und damit die Schleuseraktivitäten beendet.