Unterirdisch: Herrenbesuch auf dem Damenklo

Das gibt es nur in Ratingen: Männer auf der Frauentoilette! Denn meistens ist es umgekehrt: In der Regel sind es die Damen, die in höchster Not in Theaterpausen oder auf dem Oktoberfest die Herrentoiletten stürmen um einen der begehrten Sitzplätze für sich zu ergattern. Wir Männer hingegen respektieren stets gewissenhaft und peinlichst die Intimsphäre der Damenabteilungen öffentlicher Bedürfnisanstalten.

Nun ist die unterirdische Frauentoilette am Ratinger Marktplatz (jawohl, Frauen) ganz offiziell für Männer freigegeben. Grund sind die Renovierungsarbeiten an der Herrenabteilung, die nun schon seit einigen Wochen andauern. Und da ich notgedrungen (siehe hier: https://briefe-von-bernd.blog/2020/06/23/mein-lieblingsort-in-ratingen-ist-unterirdisch/)  regelmäßig das Souterrain aufsuche, eröffnete sich mir kürzlich der Blick in das bis dahin verbotene Gemach.

Damenklo

Um es kurz zu machen: Da sieht es auch nicht besser aus! Zwar fehlt naturgemäß das geräumige Stehrevier wie bei den Männern, dafür gibt es bei den Damen mehr abgeschlossene Einzelplatzsysteme, die allerdings allesamt nicht gerade zum Verweilen einladen:

Bekanntlich hatte ich der Stadt schon vor Monaten eine persönliche Spende in fünfstelliger Höhe angeboten zum Zweck der Verschönerung dieses einzigartigen Ratinger Baudenkmals: http://afd-ratingen.com/spende-fuer-die-markttoilette   Eine Offerte, die bislang vom Bürgermeister nicht beantwortet wurde. Offenbar wird meine Gabe auch nicht mehr für die Renovierung benötigt, denn das Projekt „Markttoilette“ sei „durchfinanziert“. So lautete die Antwort auf meine Anfrage.

Nichtsdestotrotz sollte eine Bedürfnisanstalt neben der eigentlichen Zweckbestimmung auch eine sinnlich-heimelige Wohlfühlatmosphäre vermitteln. Und so habe ich schon vor Wochenfrist  der Stadt angeboten, meine zehntausend Euro komplett zur künstlerischen Ausgestaltung dieser über die Stadt hinaus bekannten Katakomben zu verwenden. Möglicherweise könnte sogar eine touristische Attraktion daraus werden:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

 ich beziehe mich auf mein Schreiben vom 26. Mai diesen Jahres. Da in Ihrem Haus die Prüfung der Gemeinnützigkeit einer zweckbestimmten Spende bereits einige Monate in Anspruch nimmt, die Instandsetzung der Markttoilette indessen Fortschritte macht, mache ich die Bereitstellung der Spende nicht länger von Ihrer Antwort abhängig.

 Wegen Renovierungsarbeiten ist seit einigen Wochen die Damenabteilung besagter Bedürfnisanstalt auch für männliche Besucher geöffnet.  Ich konnte mich persönlich davon überzeugen, daß dieser bislang für die Herrenwelt unzugängliche Teil in keiner Weise irgendwelchen  ästhetischen Ansprüchen genügt, sieht mal ab von einem gewissen morbiden Charme des Verfalls.

 Ich habe mich daher dazu entschlossen, den gesamten Spendenbetrag von 10.000€ zur künstlerischen Ausgestaltung der Markttoilette zur Verfügung zu stellen. Einziger Vorbehalt: In dem zu schaffenden Werk sollen keine politischen Botschaften vermittelt werden.  

 Eine offizielle Antwort steht  bislang aus.  Am Donnerstag tagt der städtische Kulturausschuss. Ich werde berichten.