Statt Sonnenfinsternis: Erhellendes bei Jan Fleischhauer

Mittwoch, der 12. August, abends: Ungeachtet des gleichzeitig stattfindenden Himmelsschauspiels der Sonnenfinsternis hatten sich zahlreiche Gäste im großen Veranstaltungssaal in München eingefunden, um Jan Fleischhauer persönlich bei der Präsentation seines neuen Bestsellers: „Du bist nicht allein“ zu erleben. Tatsächlich war die Veranstaltung, zu der die Erasmus-Stiftung eingeladen hatte, vollständig ausgebucht. Wir waren schon früh da und so gab es die Gelegenheit zu einem längeren Plausch mit unserem Gastgeber, Dr. Peter Ditges, dem lokalen Repräsentanten der Stiftung und Moderator des Abends. – Jan Fleischhauer war mir bekannt als kritischer Journalist bzw. Kolumnist, der insbesondere mit der eigenen Zunft nicht gerade zimperlich umgeht. Mit scharfsinniger Ironie, gewürzt mit einer Prise Humor, nimmt er die Irrungen und Wirrungen des Zeitgeistes aufs Korn. Umso verwunderlicher, dass er immer noch einen Sendeplatz beim ZDF hat. Bei Focus hingegen ist er als Kolumnist gut aufgehoben; dieses Blatt ist bekannt für seinen differenziert-kritischen Abstand zur Regierungspolitik. So war ich denn freudig gespannt, was uns erwarten würde.

Kurz gesagt: Der Abend hat sich gelohnt, umso mehr auch der Erwerb des Buches. Man kann zwischendrin schmökern; die einzelnen Kapitel stehen jeweils für sich. „Du bist nicht allein“. Der Titel spendet bereits Trost. Denn tatsächlich hat sich schon mancher unter uns gefragt: Bin ich auf der falschen Spur oder sind es die anderen die Geisterfahrer? Wenn man sich in der veröffentlichten Meinung, egal ob Staatsfunk, Politikergeschwafel, Mainstreampresse nicht wiederfindet: Fleischhauer beruhigt: Vielen anderen geht es genauso.  Der alltägliche Haltungsjournalismus, das Sendungsbewusstsein der Journalisten, das ist es, was er gekonnt aufs Korn nimmt.

Jan Fleischhauer beließ es nicht bei der Lesung von ausgewählten Abschnitten seines Buches, er stellte sich auch den Fragen der Moderatoren und denen des Publikums. Dabei gab er so manche interessante Insider-Information: Friedrich Merz sei ein harmoniebedürftiger Mensch. Bei einer Gelegenheit ermahnte er seine Fraktion: Man dürfte den Lars (gemeint war Klingbeil) nicht zu sehr reizen. Dann werde der immer so wütend.

Da unsere parteinahe Stiftung eingeladen hatte, war es nicht verwunderlich, dass das Publikum AfD-affin war. Wer indessen glaubte, dass der Autor Beifall heischend seinem Publikum nach dem Munde reden würde sah sich getäuscht: Fleischhauer las aus dem Kapitel: „Alles Nazis außer Oma“. Da geht er auch mit der AfD ins Gericht.   Ein markanter Satz: „Die Achillesverse der AfD ist ihr Personal“. Hört man nicht gern, aber es stimmt. Wir haben einfach zu wenige honorige Mitglieder aus der Mitte der Gesellschaft, die sich in der Öffentlichkeit als Anhänger oder Funktionsträger präsentieren. Das allerdings, und das hätte der Autor ruhig weiter ausarbeiten können, ist nicht in der AfD selbst begründet. Es ist die allfällige Diffamierung, Ausgrenzung, Tabuisierung, Stigmatisierung, die uns entgegenschlägt. Der Verlust des sozialen Umfelds, oftmals Krach in der eigenen Familie, Nachteile im Beruf, Mobbing oder auch Verlust des Arbeitsplatzes. (Die übelste Geschichte, die ich persönlich erlebt hatte, war der Kindesentzug, exerziert an einer Mutter, der vom Amts wegen die Kinder weggenommen wurden. Dabei war die nicht einmal Parteimitglied)

Fazit: Ich kann das Werk uneingeschränkt empfehlen. Viel Spaß bei der Lektüre!

Der Autor (Mitte) im Gespräch mit den Moderatoren