Neujahrsspaziergang in Düsseldorf

Ich weiß nicht mehr, wer mir den Tipp gab. In der Zeitung hatte ich es nicht wahrgenommen; vielleicht war es eine versteckte Notiz im Kleingedruckten. Am Neujahrstag, so  gegen 15:00 Uhr treffen sich die Kritiker der regierungsamtlichen Coronapolitik vor dem Landtag in Düsseldorf zu einer Kundgebung, so hieß es. Etwas Bewegung tut gut in meinem Alter; also nichts wie hin. Ich mache aus meiner persönlichen Wertschätzung für die fälschlicherweise, absichtsvoll  und böswillig als „Coronaleugner“ und „Covidioten“   diffamierten Bürger, die mit den Maßnahmen, Einschränkungen und Verboten im Zuge von Corona nicht einverstanden sind, keinen Hehl.

Um es vorwegzunehmen: Es war ein geruhsamer Nachmittag. Keine Auseinandersetzungen; kein Getöse, keine Prügelei. Eher so etwas wie ein Volkswandertag. Und dabei das Gefühl zu haben, von Freunden und freundlichen Menschen umgeben zu sein. Die Polizei ausdrücklich eingeschlossen.

Aber nun der Reihe nach: Um 15:00 Uhr sollte es losgehen-. Ich war spät dran, erst nach ein paar Minuten hatte ich einen Parkplatz in neuen Hafengebiet gefunden. Von da aus sind es ein paar hundert Meter bis zum Platz am Landtag. Die Promenade am Rhein war belebt; jede Menge Spaziergänger die das milde Wetter ausnutzten. Ob das schon die Demonstranten sind? Auf einem Platz eine ganze Reihe geparkter Pferdeanhänger der Reiterstaffel. Aha, kommt jetzt die Kavallerie zum Einsatz? Allerdings sollte mir die berittene Polizei an dem Tag nicht mehr begegnen. Dann mit einer Viertelstunde Verspätung komme ich zum Ort des Geschehens. Dort, wo das Apollo-Theater seinen Eingangsbereich hat stehen die ersten Demonstranten.   Aufgelockert; in kleinen Gruppen, viele mit selbstgebastelten Spruchbändern und Plakaten. Von einen Podest spricht irgendjemand etwas in einen Lautsprecher. Die Akustik ist schlecht; ich verstehe kaum etwas.

Ich schätze, daß sich so etwa zweitausend Leute aller Altersgruppen versammelt haben, tat sächlich sollen es später noch deutlich mehr werden.  Familien mit Kindern, sei es zu Fuß oder auf dem Fahrrad sind mit dabei. Ein großformatiges Plakatmotiv ist häufig zu sehen: „Bitte nicht schimpfen!“  Das „Sch“ von Schimpfen ist absichtsvoll durchgestrichen: „Bitte nicht impfen!“ Ich kapiere: Diese Menschen haben schlichtweg Angst um ihre Kinder. Verständlich, denn die Kleinen sind von Corona-Erkrankungen kaum betroffen. Warum sollten sie sich impfen lassen mit Vakzinen, deren Langzeitwirkungen, möglicherweise Schäden völlig unbekannt sind? Um die Erwachsenen zu schützen?

Die Motive der Menschen, die sich hier am Neujahrstag versammelt haben, mögen vielschichtig sein: Eltern und Großeltern die besorgt sind um die Gesundheit ihrer Kinder. Andere wollen ganz einfach auf der freien Entscheidung über ihren Körper beharren.  Die meisten der hier versammelten sind ganz einfach mit der sprunghaften Corona-Politik der Regierung nicht einverstanden. Zu oft lagen „Experten“ mit ihren Analysen und Prophezeiungen daneben. Zwei Jahre nach den Auftreten der ersten Ansteckungen lässt sich konstatieren: Trotz aller noch so einschneidenden Maßnahmen und Lockdowns ist Corona in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Der Versuch einer Eindämmung ist mehrfach gescheitert. Über fünf Millionen nachgewiesene Infektionen gab es in Deutschland; die Dunkelziffer dürfte erheblich höher liegen. Denn viele Betroffene merken gar nichts von einer Infektion, sofern sie nicht gerade getestet werden.

Was hier in Düsseldorf am Neujahrstag fehlt: Irgendein Hinweis auf Radikalisierung. Keine Springerstiefel, keine Glatzköpfe, keine Kleidung mit Runenaufschriften, keine Parteisymbole. Nur gelegentlich eine kleinformatiger Schriftzug der „BASIS“, jener Partei, welche aus der Querdenkerszene hervorgegangen ist.  Völlig schleierhaft, weshalb diese hier versammelten Menschen von übellaunigen Medien und Politikern  als rechtsradikale Spinner oder Verschwörungsgläubige hingestellt werden.

Zurück zum Geschehen: Die Polizei hat in Gruppen ebenfalls Stellung bezogen. Schließlich formiert sich der Zug mit einigen Spruchbändern an der Spitze. Die Lautsprecherdurchsagen der Veranstalter bitten wiederholt die Maskenpflicht zu beachten und Abstände einzuhalten. Kein Thema, es ist Platz genug da. Kein Vergleich zu Massenveranstaltungen  wie etwa den Düsseldorf-Marathon, wo die Menschen in den Startblöcken dicht an dicht stehen.  Die zahlreichen  Ordnungskräfte der Veranstalter sind durch Armbinden und Westen gekennzeichnet. Mit vorne dabei ist ein Trommlerzug, so wie man es von Karnevalsumzügen oder Schützenfesten kennt. Aber es dauert.

Erst so gegen halb fünf setzt sich der Zug in Bewegung; die Polizei vorneweg. Gemächlich  geht es voran; über die Berliner Allee in  Richtung Bahnhof.  Auf  Höhe der Königsalle leibe ich stehen und lasse den Zug eine Weile passieren. Auf der Fahrbahn gegenüber stauen sich die Autos. Klar: Die Polizei hat die Kreuzungen für den Querverkehr abgesperrt. Erstaunlich: Nirgendwo Unmutsäußerungen genervter Autofahrer; statt dessen gelegentlich sogar Sympathiebekundungen: Winkende Hände, erhobene Daumen. Langsam gehe ich die Strecke zurück. Immer noch kommen mir die Menschen entgegen; die ganze Zeit; es sind viele Tausende. Hier bewegt sich etwas im wahrsten Sinne des Wortes.

Am Montag ist die kurze Notiz über das Geschehen in der Rheinischen Post erstaunlich neutral: https://rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf/duesseldorf-corona-demo-mit-6500-teilnehmern-friedlich-verlaufen_aid-64986613

Es gab natürlich auch wieder die gewohnt gehässige Kommentierungen: https://www.ddorf-aktuell.de/2022/01/02/duesseldorf-mehr-als-10-000-teilnehmende-verspotten-corona-auflagen/

Und einen neutralen Überblick über das Geschehen in der Republik:  https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/neujahrsproteste-in-ganz-deutschland/

Einen Guten Start ins Neue Jahr 2022 wünscht    Bernd


One Comment on “Neujahrsspaziergang in Düsseldorf”

  1. Leonhardt sagt:

    Ein guter Bericht. Wir haben das Recht gegen die wirre Corona-Politik zu demonstrieren.
    Die Presse berichtet nur über linke Demonstrationen und meist positiv.

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