Abgeschaltet

  1. April 2023: Das Ende der zivilen Kernkraft in Deutschland. Ein Jahrzehntelanger Kampf um diese technische Errungenschaft ist für dieses Land vorbei. Ideologie siegt über Vernunft.
strohm

Ein Blick zurück sine ira et studio: Vor mir liegt das über tausend Seite umfängliche Monumentalwerk von Holger Strohm: „Friedlich in die Katastrophe“, erschienen 1981. Eine Vorgängerausgabe war bereits 1973 veröffentlicht worden. Wikipedia zitiert: „…und (das Buch) wurde schon bald nach Erscheinen „zu einer Art Bibel der Anti-AKW-Bewegung“.[3] Auflage: über eine halbe Million Exemplare. Aus dem Frontispiz die Widmung des Autors: „ Dieses Buch ist allen Menschen der kommenden Generationen gewidmet. Sie werden mit entsetzlichen Folgen zu leben haben“. Diese Botschaft wurde zum Missionsauftrag der Grünen, die sich zu jener Zeit frisch als politische Bewegung konstituierten.

Der Autor war von seinen Thesen und Prognosen über die katastrophalen Gefahren der Kernkraft ehrlich überzeugt. Ihm war es wichtig, seine Botschaft allen damaligen Entscheidungsträgern zukommen zu lassen. Er schickte sein Buch per Einschreiben an alle Bundestagsabgeordneten, wichtige Kirchenvertreter, Bundesämter, Ministerpräsidenten, Bürgermeister, EU-Abgeordnete, Gewerkschaften usw. Die engbedruckte Namensliste allein füllt die ersten zehn Seiten des Werkes.

Das Buch überrascht mit einer Fülle technischer Details. Die Wirkungsweise verschiedener Reaktoren und sogar die einer Wasserstoffbombe sind ausführlich beschrieben. Bezüglich des Risikos von gesundheitlichen Gefahren beim Austritt radioaktiver Strahlen findet man allerdings mehr Spekulation denn empirische Evidenz. Aus Sicht der damaligen Zeit (1973) zu einem gewissen Grad verständlich, hatte es doch einige Zeit gedauert bis man Wissen über die Langzeitwirkungen von nuklearer Strahlung erlangte. – Das ganz große Schreckensgemälde ist das Durchbrennen der Kernbrennstäbe,  der GAU (größter anzunehmender Unfall) eines Reaktors. „Millionen Menschen könnten getötet werden“; „Katastrophengebiet von der halben Größe der BRD“, so prophezeit die Schrift von Holger Strohm auf Seite 566.

Die Zeit ist über die apokalyptischen Prognosen des Autors hinweggegangen. Seit Jahrzehnten liefern weltweit rund 500 Kernreaktoren Strom, etwa die gleiche Zahl dürfte auf Kriegsschiffen der Seemächte in Betrieb sein, vor allem auf Flugzeugträgern und U-Booten.  Inzwischen hat man auch Erfahrungen mit einem „GAU“, der sich tatsächlich seitdem dreimal ereignet hat:

  1. 1979 in Harrisburg (USA)
  2. 1986 in Tschernobyl (UdSSR bzw. Ukraine)
  3. 2011 in Fukushima  (Japan)

Was ist da passiert?  Haben sich die apokalyptischen Endzeitvisionen tatsächlich bewahrheitet? Alles der Reihe nach:

  1. Zu 1979 Harrisburg: Keine Personenschäden. Die Radioaktivität verblieb im Innern der Betonkuppel über dem Reaktor.
  2. 1986 Tschernobyl. Einer von vier Reaktorblöcken geriet außer Kontrolle und brannte durch. Durch die Dampfexplosionen und den nachfolgenden Brand wurde eine große Menge an Radioaktivität in die nähere und weitere Umgebung freigesetzt. Das Geschehen und der Ablauf im Block in dem Atomkraftwerk, dessen Zweck neben der Stromerzeugung auch die Produktion von waffenfähigem Plutonium war, ist bestens dokumentiert, so daß ich es mir hier an dieser Stelle erspare. Über die Zahl der Opfer gibt es allerdings zahlreiche Märchen, Spekulationen und Legenden. Gesichert ist nur die Zahl der im UNO-Report (UNSCEAR) genannten Opfer: Weniger als 100 Strahlentote. Alles andere sind Spekulationen und Hochrechnungen auf fragwürdigen Annahmen, ähnlich den Stickoxid- und Feinstaubtoten, deren Leichen in Deutschland noch niemand zu Gesicht bekommen hat. Fakt ist: Es gibt keine Massengräber von Tschernobyl-Opfern, auch wenn unsere Medien Gegenteiliges suggerieren. Selbst von den unmittelbar vor Ort einsetzten Aufräumarbeitern haben viele das Ereignis noch um Jahrzehnte überlebt. – Die Stromproduktion in den unversehrten Reaktorblöcken von Tschernobyl wurde von Bedienungsmannschaften noch bis zum Jahr 2000 fortgeführt.  Die folgenschwerste Konsequenz des Unfalls war indessen die Evakuierung von ca. hunderttausend Menschen, die großer Eile aus der Nähe des Kraftwerks evakuiert wurden und bis heute nicht zurückkehren durften.
  3. 2011 Fukushima. Bedingt durch den Ausfall aller Sicherungssysteme infolge von Erdbeben und Tsunami kam es zur Kernschmelze in drei Reaktorblöcken. Tage nach dem Vorfall ereigneten sich Knallgasexplosionen, welche die Betonkuppeln der Gebäude zerstörten und somit Radioaktivität freigesetzt wurde. Es gab keine Strahlenerkrankungen; erst nach Jahren gab es einen Todesfall durch eine Krebserkrankung, welche mit einiger Wahrscheinlichkeit der Strahlung zugeordnet wurde. (Der bei Aufräumarbeiten eingesetzte Mann hatte eine Dosis in der Größe erhalten, wie auch ich sie anläßlich einer CT-Untersuchung des Brustkorbs bekommen habe. In sehr seltenen Fällen führt das zum Tumor) Die gesundheitlichen Konsequenzen des „Super-GAUs“ von Fukushima sind vollumfänglich in den UNO-Dokumenten beschrieben.  In Japan wurde eine Fläche von ca. 600 Quadratkilometern (das entspricht in etwa der Fläche des Bodensees) evakuiert und inzwischen wieder zur Besiedlung freigegeben. Betroffen waren ca. 70.000 Anwohner.        

Das wars dann. Heute, im Jahre 2023 hat man nicht nur evidenzbasierte Erkenntnisse über die gesundheitlichen Auswirkungen eines GAUs. Auch die Bauweise heutiger Reaktoren sehen das Risiko einer Kernschmelze vor und sind konstruktiv so abgesichert, daß einerseits die Kettenreaktion erlischt und andererseits die geschmolzene Masse in Behältnissen aufgefangen wird. Ohne Freisetzung von Radioaktivität.  Aber: Grüne Ideologie verharrt immer noch in den alten, längst überholten Schreckensszenarien und Denkmustern des vergangenen Jahrtausends. Bedauerlich: Nur in Deutschland allein hat dies nun fatale politische Konsequenzen: Hier schaltet man nicht nur ab; wir verlieren auch den technologischen Anschluss. Und folgt man den Prognosen des IPCC, dann hat man dem Weltklima damit einen Bärendienst   erwiesen. Starrköpfigkeit gehört von jeher zu den Wesenseigenschaften einer jeden Ideologie. Mit Vernunftargumenten ist da wenig auszurichten.

Das Ganze erinnert an eine andere Abschaltung: Gentechnische Forschung. In den Achtzigern des vergangenen Jahrhunderts durfte die Hoechst AG (damals als die Apotheke der Welt bezeichnet) eine Anlage zur Produktion von Insulin auf Geheiß des damaligen grünen Ministers Joschka Fischer nicht in Betrieb nehmen. Insulin ist bekanntlich das überlebenswichtige Medikament zur Behandlung von Diabetes und wurde bis dato ausschließlich aus der Verwertung von Schlachttieren gewonnen.  Begründung für das Verbot: Hoechst hatte Bakterien gentechnisch so verändert, daß sie die begehrte Medizin produzierten. Da aber aus grüner Sicht alle Gentechnik pures Teufelszeug ist, blieb der Fa. Hoechst die Inbetriebnahme verwehrt. Die Hoechst AG gibt es nicht mehr. Gentechnische Forschung ist schon vor vielen Jahren aus diesem Land abgewandert.

Ausstieg, Abschaltung, Abwanderung. So kommt eins zum anderen. Die Beispiele lassen sich beliebig fortsetzen. Der Abstieg geht weiter. Beschwert Euch nicht. Egal ob schwarz, rot oder grün: Ihr habt die Leute ja gewählt. Nein, dieses Land ist nicht erblüht. Es ist abgemerkelt. Und die Ampel merkelt munter weiter.

Ach so: Holger Strohm weilt noch unter uns widmet sich heute anderen Themen. Er kritisiert sogar die Regierung. Deswegen gilt er inzwischen als rechtsradikaler Anhänger von „Verschwörungstheorien“.  Einfach mal googeln.



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