Gedanken zu Wolfgang Clement

De mortuis nihil nisi bene. Nur Gutes über Verstorbene. An diesen uralten Sinnspruch fühlte ich mich erinnert, als ich in den vergangenen Tagen die Nachrufe auf Wolfgang Clement aus der Feder von rot-grünen Tagespolitikern las. Ehrliche Meinung oder Heuchelei? Tief enttäuscht hatte Wolfgang Clement  der SPD schon vor Jahren den Rücken gekehrt. Er kämpfte gegen den „Ypsilanti-Schwenk“  der SPD hin zur Koalition mit den SED-Nachfolgern. Dem nachfolgenden Mobbing, dem er  sich durch „Parteifreunde“ ausgesetzt sah, setzte er mit seinem Parteiaustritt folgerichtig ein Ende. Eine offizielle Feier zu seinem 70. Geburtstag durch die rot-grüne NRW-Landesregierung  hatte er sich kurze Zeit später ausdrücklich verbeten.

Wolfgang Clement war Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und später Bundeswirtschaftsminister unter Kanzler Gerhard Schröder.  Ein herausragender Wirtschaftsfachmann mit einen klaren Blick auf die Dinge. Er steht in einer langen Reihe von prominenten SPD-Politikern, die vergeblich gegen den Linkskurs ihrer Partei  ankämpften und schließlich resignierten.

Als einer der „schon länger hier Lebenden“ erinnere ich mich noch gut an Alex Möller, den ersten Finanzminister der Regierung Willy Brandt. Der warf schon 1971 das Handtuch, weil er das unseriöse Finanzgebaren der Genossen nicht verantworten wollte.  Sein Ressort übernahm SPD-Parteifreund und Wirtschaftsminister Prof. Karl Schiller, der damit zum ersten „Superminister“ der SPD-FDP-Regierung avancierte. Aber auch er hielt es gerade mal ein Jahr aus und warf hin mit den Worten:  „Ich bin nicht bereit, eine Politik zu unterstützen, die nach außen den Eindruck erweckt, die Regierung lebe nach dem Motto ‚Nach uns die Sintflut‘. Die Regierung hat die Pflicht, über den Tellerrand des Wahltermins hinauszublicken und dem Volk rechtzeitig zu sagen, was zu leisten und was zu fordern ist.“ Damit gab der den Genossen Knall auf Fall sein Parteibuch zurück.  – Es war damals die Zeit, als ein prominenter SPD-Landesvorsitzender forderte: „Wir müssen die Belastbarkeit der Wirtschaft erproben“. Klingt heute,  fünfzig Jahre später,  immer noch hochaktuell.

Zurück zu Wolfgang Clement: In seinen letzten Lebensjahren engagierte er sich bei der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ (INSM) und übernahm dort schließlich den Vorsitz des Kuratoriums. Die öffentlichkeitswirksam in ganzseitigen Zeitungsanzeigen vertretenen Positionen der INSM stehen nicht nur diametral entgegen zur Ideologie der linken Genossen, sie sind darüber hinaus zumeist eine schallende Ohrfeige für die  Merkelsche Regierungspolitik. Wenig verwunderlich, daß diese letzte Mission von Wolfgang Clement  kaum Erwähnung in den zahlreichen Nachrufen findet.

Wolfgang Clement war ein Mann der leisen Töne, im Auftreten eher bescheiden, aber mit Prinzipien und Rückgrat. Hier der ihm gewidmete Nachruf  auf der Seite der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“. Dem ist nichts hinzuzufügen.

https://www.insm.de/insm/themen/soziale-marktwirtschaft/ueberzeugter-marktwirtschaftler-zum-tode-von-wolfgang-clement

 



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