Düsseldorfer Spaziergang: 29. Januar

Brauchtumszone. Schon wieder eine neue Corona-Vokabel. Tatsächlich bildet sich in diesen Zeiten überall in Deutschland, sehr zum Missfallen der Regierenden, neues Brauchtum: Nämlich die Spaziergänge. Besonders schön anzusehen in Düsseldorf, wo man sich inzwischen an jedem Samstag um 15 Uhr am Landtagsgebäude, direkt vor dem Apollo-Theater trifft um wie an vielen anderen Orten der Republik auch hier mit den Füßen gegen die Corona-Politik abzustimmen.

So am 29. Januar. Trotz unbeständigen Wetters hatten sich um drei Uhr nachmittags wieder Tausende zum Spaziergang eingefunden. Waren es am Neujahrstag noch die Schilder mit dem Grundgesetz, so bestimmten diesmal gelbe Luftballons das Bild. Die Stimmung war fröhlich, sogar ausgelassen und viele hatten wieder phantasievolle  Plakate mitgebracht.

Schon bald ging es los; diesmal nahm der Zug eine etwas andere Route, nämlich in Richtung Bilk. Schön, auf diese Weise lernt man stets neue Ansichten von Düsseldorf kennen. An der Spitze liefen etwa hundert Pflegerinnen und Pfleger in grünen Arbeitskitteln, die auf diese Weise auf ein  drohendes Berufsverbot für Ungeimpfte aufmerksam machten.

Auch nett anzusehen: Die Coronaschirme um Straßenrand. Apropos Straßenrand: Altparteien und Gewerkschaften hatten diesmal zum Protest  gegen die Spaziergänge aufgefordert. Und so sah und hörte man vereinzelt an Einmündungen und Kreuzungen kleinere Ansammlungen, die sich mit NAZI-Plakaten und roten Karten ausstaffiert hatten und mit Buhrufen, Pfeifen  und Gegröle um Aufmerksamkeit bei den Vorbeigehenden heischten.

Peinlich und doch amüsant zugleich; jeder blamiert sich eben so gut er kann. Der Stimmung tat das keinen Abbruch; die mitgeführten Musikboxen auf Trolleys hielten die Marschierer bei Laune; daran konnte auch der einsetzende Nieselregen nichts ändern.   – Die Polizei begleitete den Zug ebenfalls mitwandernd in kleinen Grüppchen auf ihre Weise und hatte ansonsten wenig zu tun.

Ansteckende Nazimethoden

Die Presse berichtete am nächsten Tag von vereinzelten Anzeigen wegen Maskenverstößen; davon haben wir aber nichts mitbekommen. Allerdings handelten sich einige Gegendemonstranten Anzeigen ein: Verstoß gegen das Versammlungsverbot! Bingo: Zwar sind spontane Demonstrationen erlaubt; im Voraus geplantes ist allerdings genehmigungspflichtig. Und wenn jemand Plakate mitführt dann ist es eben nicht spontan sondern geplant. Dumm gelaufen.

Rheinische Post vom 1. Februar

Es ist bezeichnend für unsere Medienlandschaft, daß am nächsten Tag zwar wohlwollend über die paar Gegendemonstranten berichtet wurde, über die Spaziergänger (offiziell 3.900) aber Gift und Galle gespuckt wurde. Aber das kennen wir ja zur Genüge.   Am nächsten Wochenende waren es dann schon über siebentausend Spaziergänger. So lautet die offizielle Zahl, gut möglich daß es auch ein paar mehr gewesen sind. Und wieder mal sind nur die Demonstrationsgegner, aber nicht die Spaziergänger selber in der Zeitung zu sehen:


Interessant, wie sich auch in Düsseldorf eine Ampelkoalition gegen die Spaziergänger zusammenfindet: Aus der Bildunterschrift rechts unten:
Hier wächst zusammen, was zusammengehört. Und dabei hatte sich doch die FDP noch kürzlich gegen die Impfpflicht ausgesprochen? Ach ja, das war noch vor der Wahl.



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