Bye, bye Bender

Sehr geehrter Herr Bender,

nachdem ich schon Stefan Locke Lebewohl gesagt habe, möchte ich mich nun auch von Ihnen verabschieden. Nach über fünfzig Jahren nahezu ununterbrochener Leserschaft habe ich mich schon im Februar von der FAZ getrennt, der anteilige Jahres-Abo-Betrag wurde mir am 25.3. zurück überwiesen. Nein, Sie waren nicht der Anlass. Es ist Berthold Kohler, der sich dieser Trophäe rühmen kann, einen einstmals treuen Leser endgültig zur Strecke gebracht zu haben. https://briefe-von-bernd.blog/2020/03/27/frankfurter-allgemeine-trennung-nach-fuenfzig-jahren/

Als frühzeitiges AfD-Mitglied (Juni 2013) bin ich natürlich beim Lesen des „Zentralorgans“  (Zitat nach bko)  oft bei Ihren  Berichten und Kommentaren hängen geblieben. Anfangs sicher mehr als zu späterer Zeit, als der übliche Gewöhnungseffekt eintrat: „Aha, mal wieder ein Bender.“  Der zusätzliche Informationsgewinn wurde mit der Zeit zunehmend geringer obgleich ich zugeben muß, von manchen Interna und Schmutzeleien als erstes aus der FAZ erfahren zu haben und nicht über die innerparteilichen Kommunikationskanäle.

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Mit besonderer Aufmerksamkeit hatte ich Ihre Titelstory  in dem damals frisch aufgelegten Journal  „Frankfurter Allgemeine Woche“ vom 29.4.2016 gelesen. Um es vorweg zu nehmen: Anschließend hatte ich den Verlag gebeten, die Belieferung mit dieser Postille einzustellen. Aber interessant war der Aufmacher „Wie die AfD leben möchte“ allemal. Selbstverständlich habe ich mich gefragt, ob ich mich in der  abgebildeten Titelfigur wiedererkenne und über meine Person etwas neues, mir dato unbekanntes erfahre. Ja, ich hatte eine blonde Frau. Meine Tochter ist auch blond, wenn auch ohne Zöpfe. Einen Hund gab es auch in der Familie. Und eine Flinte nennen ich auch mein eigen, schließlich bin ich Jagdscheininhaber und verfüge aus Familienbesitz über einige Waldparzellen. Unter anderem, aber nicht nur  deswegen bin ich kein Freund der Erbschaftssteuer wie  Sie ganz richtig bemerkt haben.  Meine Begründung war damals so aktuell wie heute. Nebenbei: Die Vermögenssteuer wurde schon seit Mitte der Neunziger nicht mehr erhoben, da rannte die AfD offene Türen ein.

Ansonsten waren Ihre Zukunftsprojektionen des fiktiven Peter Müller (daß Sie ausgerechnet den Namen des Kölner Lokalmatadors  genommen haben!) eher von einer blühenden Phantasie getrieben, so etwa, wenn Sie über geschwärzte Homosexualität sinnierten oder über  die „Vollzeitmütter“.

Ich hatte später gelegentlich meine Anmerkungen zum besten gegeben und Ihnen bzw. der Redaktion mitgeteilt. So hatte ich wegen „Gaulands stolze Verbrechen“ noch einen Briefwechsel mit JvA, der sich, wie es sich für einen guten Chef gehört, natürlich schützend vor seinen Zögling stellte. Das ist nun Schnee von gestern.

Ein tröstender Gedanke: Sie sind eine ganze Generation jünger als meine Wenigkeit. Mir stehen vielleicht noch zehn, bestenfalls knapp zwanzig Jahre zu. Wenn es mit diesem Land weiter bergab geht, dann werden es Sie und Ihre Alterskohorte sein, welche die Suppe hauptsächlich auslöffeln muß. Natürlich hoffe ich im Sinne meiner Kinder und Enkel daß es nicht so weit kommt.  Und deshalb engagiere ich mich weiter bei der Alternative für Deutschland. Auch ohne Lektüre des Zentralorgans.

Adieu!     Bernd Ulrich



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