Frauen als nationale Symbole

Zum heutigen Weltfrauentag 8. März 2021

Es ist ein ständiger Narrativ der Feminist*Innen, daß das Geschlechterverhältnis zwischen Mann und Frau von jeher als  Machtausübung und Unterdrückung der Weiblichkeit geprägt gewesen sei. Ein  Herrschaftsverhältnis, in dem nur der Mann das Sagen hatte. Frauen seien auch in der abendländischen Geschichte stets als Menschen zweiter Klasse gehandelt worden bei entsprechender Geringschätzung. Stimmt das?

Betrachten wir doch die traditionellen nationalen Symbole europäischer Länder:

DEUTSCHLAND: Da hatten wir zu Kaisers Zeiten die GERMANIA. Zweifellos eine Frauengestalt, aber beileibe kein unterwürfiges Weibchen. Gross, kräftig, selbstbewusst mit Krone und Harnisch und doch mit weiblichen Proportionen. Sie verkörperte im wahrsten Sinne das damalige Deutschland.

Germania aus dem „langen Hunderter“

BRITANNIEN: Der Gegenpart zur Germania war die BRITANNIA. Ebenso kriegerisch, mit Helm und Dreizack: BRITANNIA rules the Waves. Der personifizierte Weltherrschaftsanspruch des britischen Empire in Gestalt einer Frau. Hier als Rückseite der One-Penny-Münze.  Ab Anfang der siebziger Jahre verschwand dieses hübsche Symbol aus dem Münzumlauf. Britannia no longer rules the waves.

 

SCHWEIZ: obwohl die Schweiz seit Jahrhunderten keine Krieg geführt hat kommt die HELVETIA durchaus martialisch daher: Mit Schild und Speer ist sie das Symbol der Einheit des Landes. Hier die  immer noch im Umlauf befindliche 2-Frankenmünze.

 

BAYERN: Wenn wir schon im Alpenraum sind: Jeder kennt sie, die BAVARIA. Kernig, aufrecht steht ihre Monumentalstatue in München vor der Ruhmeshalle. An ihrer Seite ein ausgewachsenes Löwenmännchen, das sie wie ein Schoßhündchen führt.

FRANKREICH: Weniger kriegerisch das französische Nationalsymbol: Die MARIANNE. Als Nationalsymbol trägt  die MARIANNE die Gesichtszüge lebender Mimen. Aber sieht diese Frau mit der Jakobinermütze, dem Symbol der Französischen Revolution, aus wie ein unterwürfiges Weibchen? Wohl kaum!

USA: Die Freiheitsstatue, die Statue of Liberty, ist das Symbol der Vereinigten Staaten von Amerika schlechthin. Seit über hundert Jahren begrüßt sie mit der erhobenen Fackel der Freiheit alle, die in den Hafen von New York einlaufen. Zweifellos eine Frauengestalt, obgleich ihr herb entschlossener Gesichtsausdruck beinahe androgyn wirkt.

Warum sind alle diese nationalen Symbolgestalten weiblich? Eigentlich klar, denn in den meisten Ländern ist das „Vaterland“ eben nicht männlich. Und zwar sowohl im romanischen als im germanischen Sprachraum. Pater ist der (männliche) Vater, Patria, das Vaterland,  ist bereits weiblich. Allons enfants de la patrie! So lautet der erste Vers der französischen Nationalhymne. La France, Espana, L’italie, alles mit weiblichem Artikel. Und auch im Englischen sind Länder von jeher weiblich. So schreibt Churchill bewundernd über das im ersten Weltkrieg kämpfende Deutschland: “On the contrary, it is a tribute to the wonderful and terrible strength which Germany exerted in the Great War, when almost single-handed she fought nearly all the world and nearly beat them.”  Man beachte das weibliche Pronomen. Das Zitat stammt aus dem Aufsatz “Friendship with Germany”, veröffentlicht 1939 in der Aufsatzsammlung „Step by Step“.

Erwähnen wir noch „EUROPA“, jene mythische Frauengestalt, die von Zeus entführt wurde und der Sage nach unserem Kontinent den Namen gab. Die Älteren mögen sich noch an den alten 5-DM-Schein erinnern; für mich eine der schönsten Darstellungen dieser Legende:

Profan hingegen auf der griechischen Zwei-Euro-Münze:

Ganz anders dagegen die Illustration der EUROPA auf Eugen Roths „Frauen in der Weltgeschichte“ von 1936:

Schlagen wir einen weiten Bogen zurück zu dem, was Mann und Frau verbindet. Noch vor wenigen Jahrzehnten hätte man geantwortet: Die Liebe. Die Liebe herrscht nicht, sie will nicht beherrschen, sie ist genügsam. Liebende sind froh, wenn sie nur die Nähe des anderen spüren. Liebe ist romantisch und am schönsten, wenn sie erwidert wird.  Es braucht keine Erotik, bereits ein Händchenhalten oder eine zarte Umarmung begleitet die Liebenden in den siebten Himmel. – Dabei geht es nicht nur um Ernstes und Erhabenes: Was sich liebt, das neckt sich, so lautet eine alte Volksweisheit.  Eugen Roths Büchlein  „Frauen in der Weltgeschichte“ ist auf dem Einband geschmückt mit einer ganz anderen Darstellung der EUROPA: Lässig räkelt sich Europa auf ihrem knienden männlichen Gegenpart. Das ganze Buch mit seinen Versen ist eine herzliche Neckerei und damit nichts weiter als eine Liebeserklärung. Heute undenkbar. Schade, daß derlei in Vergessenheit geraten ist. Eine selbstzerstörerische, fanatische Ideologie, welche nichts weiter als Hass und Unfrieden sät und den Zusammenhalt der Gesellschaft spaltet in Arm und Reich, Jung gegen Alt, Kinder gegen ihre Eltern, Rechts und Links, Skeptiker gegen Gläubige, die hetzt  auch Mann und Frau gegeneinander auf zum Geschlechterkampf. Fanatiker kennen keinen Humor. Die menschelnden Verse des bei  den Nazis ungeliebten Humoristen Eugen Roth bleiben ihnen für immer fremd.

 



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