Vermögensbildung? Politisch unerwünscht!

Die junge Generation kann einem leidtun. Sie können sich abstrampeln, fleißig sparen, sie schaffen es einfach nicht mehr, sich im Laufe ihres Arbeitslebens ein kleines Vermögen anzusparen. In früheren Jahrzehnten war das mal möglich, heute ist das nahezu ausgeschlossen. Arm bleibt arm.

 Das hat System und ist von Staats wegen so gewollt: Denn sämtliche staatlichen Instrumente zur Förderung der Vermögensbildung wurden von den Politik rigoros abgeschafft oder massiv beschnitten. 

Im Einzelnen:

 Steuerprogression: Vor fünfzig Jahren musste man schon des 20-fache des Normaleinkommens verdienen, um in den zweifelhaften Genuss der höchsten Steuerprogression zu kommen. Heute ist man schon mit dem 1,4-fachen Satz dabei. Will sagen: Schon der Facharbeiter wird heute vom Finanzamt so geschröpft wie früher nur die Einkommens-Millionäre.

 Arbeitnehmersparzulage (Ehemals 624-DM-Gesetz).Heutzutage nur noch eine Lachnummer. Aus der Taufe gehoben 1970, also vor über 40 Jahren, waren 624 DM eine Menge Geld. Es entsprach in etwa dem Monatslohn eines Einzelhandelskaufmanns.  Ab 1984 als 936 DM-Gesetz, danach in der Höhe nie mehr angepasst. Der Arbeitnehmer verpflichtet sich, über viele Jahre diesen Betrag vom Arbeitgeber in einen Sparvertrag anlegen zu lassen. Man muß heutzutage weniger als 1.800 € verdienen, um dann in den Genuss einer staatlichen Zulage zu kommen. Dann gibt es maximal 400€. Im Jahr, nicht im Monat. Ach so, die Spargroschen müssen erst mal verdient werden. Aus versteuertem Geld natürlich.

 Lebensversicherung: Die Zahlungen aus einer Lebensversicherung waren früher mal nach zwölf Jahren Ansparzeit  steuerfrei. Ersatzlos gestrichen.

 Steuererleichterung für Anschaffung von Wohneigentum: Wurde in früheren Jahrzehnten  mal mit dem berühmten Paragraphen 7b, später 10e des Einkommensteuergesetzes  gefördert. Da konnte man in den ersten Jahren für seine Wohnung oder das Häuschen bis zu 10.000 DM vom zu versteuernden Einkommen  absetzen. Ersatzlos  gestrichen.

 Bankkredit beim Wohnungskauf: Das Disagio verminderte damals das zu versteuernde Einkommen. Ersatzlos gestrichen.

 Baukindergeld: Ersatzlos gestrichen.

 Sparerfreibetrag: Zinseinkünfte auf die Spargroschen, Dividenden usw. waren ehemals bis zu 6.000 DM jährlich steuerfrei. Heute sind es nur noch 800 Euro. Werbungskosten  dürfen nicht mehr abgezogen werden.

 Grunderwerbsteuer: Bis in die frühen achtziger Jahre brauchte man für seine eigene Wohnung oder das Haus gar keine Grunderwerbsteuer zu  zahlen. Dann schlug der Fiskus mit zunächst 2%, ab 1996 dann mit 3,5% zu. Rot-grüne Bundesländer erheben inzwischen 5%, einer Erhöhung auf 6,5% ist angekündigt. Ein Beispiel: Wer für sich und seine Angehörigen eine familiengerechte Wohnung für 200.000 Euro erwerben möchte, wird demnächst in Schleswig-Holstein  mit 13.000 Euro von Staats wegen geschröpft. Ohne Gegenleistung. Denn Grundbuch- und Notargebühren, Erschliessungskosten usw. gehen extra.  Und sollte mal ein Wohnsitzwechsel und Neuanschaffung fällig werden (z.B. wegen Pleite des Arbeitgebers), dann langt der Fiskus ungeniert ein zweites Mal zu.

 Direktversicherung:  Viele Arbeitnehmer haben in vergangenen Jahrzehnten eine Lebensversicherung über ihren Arbeitgeber abgeschlossen. Mit der Illusion, dann im Rentenalter darüber verfügen zu können. Dann, im Jahre 2003, hat sich die Regierung eine besondere Infamie einfallen lassen: Alle Auszahlungen werden um 17% gekürzt. Zum Wohle von Kranken- und Pflegeversicherung. Da hilft es nicht, wenn der arme Arbeiter oder Rentner eh schon Höchstbeiträge gezahlt hat und immer noch zahlt. Die sogenannte Beitragsbemessungsgrenze gilt nämlich in dem Fall nicht. Eine böse Überraschung für alle, die im guten Glauben an unsere Obrigkeit für ihr Alter vorsorgen wollten. 

 Und zu guter Letzt:  Die Mehrwertsteuer. Als das zerbombte Land  in den Fünfzigern des vergangenen Jahrhunderts wieder aufgebaut werden musste, da reichten dem Fiskus 4% Umsatzsteuer. Ab Mitte der sechziger Jahre kam dann die Mehrwertsteuer mit 10%. Heute sind wir bei 19% angelangt. Geld, was dem Sparer wie dem Verbraucher im Portemonnaie fehlt

 Es ist schon paradox: Da wird von der Regierung einerseits die Altersvorsorge propagiert, andererseits dem Sparer das Leben so sauer wie nur möglich gemacht. Derzeit  bekommt er praktisch überhaupt keine Zinsen mehr für seine paar Euros, die er zur Bank trägt. 

 Kein Wunder, wenn in Bezug auf Privatvermögen Deutschland Schlusslicht ist im europäischen Vergleich. Das hat erst kürzlich die Europäische Zentralbank in ihrer →Studie festgestellt. Die Kanzlerin, die uns gerne glauben macht, daß wir als reiche Deutsche regelmäßig weitere Milliarden zur Eurorettung zu berappen haben, war darüber natürlich wenig erfreut.

 In wenigen Wochen ist Bundestagswahl. Vermögensbildung für die kleinen Leute ist nirgendwo Wahlkampfthema. Stattdessen wird ungeniert mit dem Versprechen weiterer Steuererhöhungen die Trommel gerührt.

 Armes Deutschland.

Geldvermögen der Deutschen

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